Zusammenhang zwischen Stressfaktoren und Tinnitus

Stressfaktoren und Tinnitus

Stressfaktoren und Tinnitus

Stressfaktoren sind sowohl für die Entstehung als auch für die Aufrechterhaltung eines Tinnitus bedeutsam. So gaben im Rahmen einer Studie 25% der Tinnituspatienten an, dass ihr Ohrgeräusch durch Stress ausgelöst wurde. Zudem kann ein falscher Umgang mit Stressfaktoren, beispielsweise in Form einer fehlenden oder falschen Stressbewältigung, einen Tinnitus begünstigen. Was genau einen Stressfaktor darstellt, ist dabei natürlich von Patient zu Patient ganz unterschiedlich – für den einen sind beispielsweise berufliche Herausforderungen eine große Belastung, ein anderer empfindet eventuell eher familiäre Konflikte als Stressfaktor.

Neben den Stressfaktoren, welche einen Tinnitus begünstigen können, stellt das quälende Ohrgeräusch selbst einen Stressfaktor dar: Der Tinnitus löst Stress aus und führt auf diese Weise zu einer zusätzlichen Belastung. Kommen dann zu dem Stressfaktor „Tinnitus“ weitere Belastungen hinzu, beispielsweise berufliche oder familiäre Stressfaktoren, wird die Bewältigung des Ohrgeräusches zusätzlich erschwert. Die Bewältigungsfähigkeiten des Patienten reichen dann nicht mehr aus, um den Stressfaktor „Tinnitus“ sowie zusätzliche Stressfaktoren aus anderen Bereichen zeitgleich zu bewältigen.

Umgang mit Stressfaktoren bei Tinnitus 

Stressfaktoren, welche die Entstehung und Aufrechterhaltung eines Tinnitus begünstigen, müssen zunächst als solche identifiziert werden. Dies ist beispielsweise im Rahmen der ärztlichen Tinnitusberatung möglich. Dabei überlegen Arzt und Patient zunächst, ob es im Leben des Tinnitusbetroffenen Stressfaktoren gibt und welche dies sind. Außerdem wird der Umgang mit den einzelnen Stressfaktoren thematisiert. In diesem Zusammenhang unterscheidet man negative (ungünstige) und positive (günstige) Stressbewältigungsmechanismen. Zu den negativen Stressbewältigungsmechanismen zählen beispielsweise Resignation, Selbstbeschuldigungen und Flucht, zu den positiven unter anderem Situationskontrolle, Schuldabwehr und Suche nach positiven Dingen im Leben. Der richtige Umgang mit Stressfaktoren stellt zudem einen wichtigen Bestandteil der kognitiven (auf Denkweisen und Wahrnehmungen ausgerichteten) Tinnitustherapie dar. Im Verlauf diese Therapie lernen die Patienten unter anderem, Stressfaktoren auszuschalten und beispielsweise die ungünstigen Wirkungen negativer Gedanken zu erkennen.

Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf

Quellen:

Biesinger, E.: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2007)

Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)

Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg (2009)

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