Bedeutung der Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung
Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung

Die Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung durch den Tinnitusbetroffenen selbst nimmt in der Tinnitusdiagnostik einen hohen Stellenwert ein. Da es sich beim Tinnitus häufig um ein subjektives, nur vom Betroffenen selbst wahrnehmbares Ohrgeräusch handelt, kann auch nur er selbst die dadurch bedingte Beeinträchtigung angemessen beschreiben. Diese Selbsteinschätzung ist für den behandelnden Arzt und weitere Therapeuten sehr wichtig, um die Belastung des jeweiligen Patienten beurteilen zu können. Auch die Identifizierung spezieller individueller Belastungen, die sich beim einzelnen Tinnituspatienten durch das Ohrgeräusch ergeben (beispielsweise Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten), sind ein wichtiger Aspekt der Selbsteinschätzung.
Die Bedeutung der Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung wird auch durch die wichtige Rolle betont, welche die Erhebung der Krankengeschichte im Rahmen der Tinnitusdiagnostik einnimmt. Dabei fragt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt nicht nur nach der Art, der Ausprägung und der Dauer des Ohrgeräusches, sondern sehr genau auch nach den dadurch bedingten Belastungen wie beispielsweise Schlaf- und Konzentrationsstörungen, sowie eine Minderung der Lebensqualität. Für alle diese Angaben ist wiederum eine Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung durch den Patienten selbst erforderlich.
Durchführung einer Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung
Die Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung durch den Betroffenen selbst wird zunächst grob orientierend während der Erhebung der Krankengeschichte erfasst. Ergänzend können einige Tests zur Anwendung kommen, welche ebenfalls auf die Selbsteinschätzung durch den Patienten selbst ausgerichtet sind. Ein Beispiel für einen derartigen Test ist das sogenannte strukturierte Tinnitusinterview (STI), in dem es unter anderem um das Tinnituserleben und die Krankheitsbewältigung geht. Ein weiteres Instrument zur Selbsteinschätzung der Tinnitusbelastung ist der Tinnitusfragebogen. Dabei sollen die Patienten unter anderem zu folgenden Bereichen ihre Selbsteinschätzung abgeben:- Konzentrationsfähigkeit
- Schlafprobleme
- Möglichkeit der Ablenkung vom Ohrgeräusch
- Hörschwierigkeiten
- Hoffnungslosigkeit
- Zukunftssorgen
- Katastrophisierung (übersteigerte Empfindung von Problemen, sodass diese wie Katastrophen erscheinen)
- psychosomatische Belastungen
Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf
Quellen:
Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)
Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg (2009)
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