Stellenwert der Psychosomatik bei Tinnitus
Psychosomatisches Erstgespräch bei Tinnitus

Die Psychosomatik beschreibt die wechselseitigen Beziehungen zwischen Körper (Soma) und Seele (Psyche). Psychosomatische Zusammenhänge sind auch bei Tinnitus relevant, da das Ohrgeräusch in hohem Maße durch das seelische Befinden mit beeinflusst wird. Dies wird beispielsweise bei Stress deutlich, den viele Tinnituspatienten als Auslöser sowie als aufrechterhaltenden Faktor ihres Ohrgeräusches ansehen. Sowohl die Diagnostik als auch die Therapie des Tinnitus berücksichtigt daher in hohem Maße auch psychosomatische Aspekte.
Psychosomatische und andere psychotherapeutische Interventionen wie Verhaltenstherapie und positive Psychotherapie sind für die Bewältigung des Tinnitus von großer Bedeutung. Die Psychosomatik kann dazu beitragen, dass sich der Patient mit seinem Leiden verstanden fühlt und dass seine Ängste nachlassen. Ein psychosomatisches Vorgehen kann bereits in der Frühphase eines Tinnitus sinnvoll sein und ist häufig sogar notwendig.
Anwendung der Psychosomatik bei Tinnitus
Die psychosomatische Behandlung des Tinnitus beginnt in der Regel mit dem psychosomatischen Erstgespräch. Dieses dient zunächst dazu, ein Arbeitsbündnis zwischen Patient und Psychosomatiker zu schaffen. Dabei erhält der psychosomatische Therapeut vom Tinnituspatienten einen Arbeitsauftrag und beide verständigen sich auf eine gemeinsame Arbeitsgrundlage. Dabei sollte zwischen Psychosomatiker und Tinnituspatient dahingehend Einigkeit bestehen, dass die psychosomatische Therapie das Ohrgeräusch zwar nicht zum Verschwinden bringen kann, dass sie jedoch eine wertvolle Hilfe bei der Bewältigung des Tinnitus darstellt.
Voraussetzung für das Gelingen des psychosomatischen Erstgespräches ist ein umfassendes Verständnis des Therapeuten zum Thema „Tinnitus“. Dies betrifft sowohl die organischen Aspekte des Ohrgeräusches als auch die psychosomatischen Zusammenhänge. Zudem ist der psychosomatische Therapeut in der Regel bemüht, die ersten Begegnungen mit einem Tinnituspatienten gut zu strukturieren und die Ängste des Tinnitusbetroffenen zu mindern. Das Ziel der weiteren psychosomatischen Therapie besteht dann darin, dem Patienten Ansatzpunkte für positive Veränderungen aufzuzeigen.
Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf
Quellen:
Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)
Hoffmann-La Roche AG, Urban & Fischer: Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. Urban & Fischer, München :(2003)
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