Wie werden Hörgeräte bei Tinnitus eingesetzt?

Hörgeräte bei Tinnitus

Hörgeräte bei Tinnitus

Hörgeräte sind bei Tinnitus insbesondere dann sinnvoll, wenn der betreffende Patient auch an einer Schwerhörigkeit leidet. Dieser Bereich der Tinnitustherapie wird als Hörakustik bezeichnet. Der Einsatz von Hoergeraeten bei Tinnitus und Hörverlust wird auch in der entsprechenden Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie empfohlen. Meist kommt es bei diesen Patienten nicht nur zu einer Verbesserung der Hörfähigkeit, sondern durch das bessere Hören der Umgebungsgeräusche auch zu einer positiven Beeinflussung des Tinnitus durch das Hörgerät.

Der Einsatz von Geräten, die das Hörvermögen von Patienten mit Tinnitus verbessern und unter Umständen gleichzeitig als Noiser dienen, ist von großer Relevanz: Sprache stellt ein wichtiges Kommunikationsmittel dar, und schwerhörige Tinnituspatienten haben in diesem Bereich häufig große Schwierigkeiten. Durch die Anpassung entsprechender Tinnitusgeräte wird das Sprachverständnis und damit die Kommunikationsfähigkeit entscheidend verbessert. Auch der Besuch von Veranstaltungen ist nach Anpassung eines Hörgeräts häufig wieder möglich.

Auswahl und Anpassung von Hörgeräten bei Tinnituspatienten

Ein Hörgerät bei Tinnitus sollte möglichst früh angepasst und eingesetzt werden, um den Therapieerfolg zu verbessern. Dabei stehen für Tinnituspatienten mehrere Arten von Geräten zur Auswahl, unter anderem:

  • „konventionelles“ Hörgerät, das im Gehörgang getragen wird
  • teilimplantierbares Gerät, das unter anderem aus einem äußerlich getragenen Mikrofon sowie einem hinter dem Ohr implantierten Empfänger und einem an den Gehörknöchelchen befestigen Verstärker besteht
  • in das Innenohr implantierbare Elektrode (Kochlea-Implantat), die eine direkte Reizung des Hörnervs ermöglicht

Nach Anwendung eines teilimplantierbaren Hörgeräts berichteten einige Betroffene von einem vollständigen Verschwinden des Tinnitus. Die in das Innenohr implantierbare Elektrode kommt insbesondere bei Tinnituspatienten mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder vollständiger Ertaubung eines Ohres zum Einsatz. Bei sehr vielen dieser Patienten wird durch das spezielle Gerät sogar eine ausgeprägte Verbesserung des Tinnitus erreicht. Eventuell verbleibende Ohrgeräusche empfinden sie dann nicht mehr als Belastung.

Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf

Quellen:

Biesinger, E.: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2007)

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Leitlinie Tinnitus. www.phoniatrie-paedaudiologie.com/Informationen/HoersturzTinnitus/assets/AWMFonline-Leitlinie%20HNO-Tinnitus.pdf (Abruf am 09.12.2009)

Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)

Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg (2009)

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