Zusammenhang zwischen Glutamat und Tinnitus

Gluatmat und Tinnitus

Glutamat und Tinnitus

Glutamat und Tinnitus stehen in einem engen Zusammenhang. Damit ist allerdings nicht jenes Glutamat gemeint, das als Geschmacksverstärker in Knabbergebäck oder Fertiggerichten enthalten ist. Vielmehr ist für die Entstehung und Aufrechterhaltung eines Tinnitus jenes Glutamat von Bedeutung, das als Überträgerstoff (Neurotransmitter) im Körper vorkommt. Verschiedene Beobachtungen belegen den Zusammenhang zwischen Glutamat und Tinnitus:

  • Glutamat ist der Hauptüberträgerstoff für die Weiterleitung von Höreindrücken vom Innenohr zum Gehirn.
  • Es ließen sich Glutamatrezeptoren (chemischen „Andockstellen“) an den Sinneszellen des Hörorgans („Schnecke“) nachweisen.
  • Nach einer hohen Lärmbelastung wie einem Knall- oder Lärmtrauma kommt es zu einer gesteigerten Ausschüttung von Glutamat.
  • Im Zuge der Tinnitusentstehung wurden eine vermehrte Bildung von Glutamatrezeptoren und eine massive Ausschüttung von Glutamat mit nachfolgender Zellschädigung festgestellt.

Diese verschiedenen Beobachtungen zum Zusammenhang von Glutamat und Tinnitus haben zu Forschungen darüber geführt, wie sich ein Tinnitus durch die Beeinflussung des Glutamatstoffwechsels lindern lassen könnte. Unabhängig von einem Tinnitus konnte man zudem beobachten, dass die Ausschüttung von Glutamat im höheren Alter zunimmt.

 

 

Therapeutische Einbeziehung des Glutamatstoffwechsels bei Tinnitus

Aufgrund des Zusammenhangs zwischen Glutamat und Tinnitus ist es denkbar, einen Tinnitus durch Beeinflussung des Glutamatstoffwechsels zu lindern. Dabei stehen drei mögliche Angriffsstellen im Mittelpunkt der Forschung:

  • Hemmung der Bildung oder Freisetzung von Glutamat
  • Blockade der Glutamatrezeptoren
  • Blockade der in den Zellen gelegenen Kalziumspeicher, um in den Mechanismus der glutamatbedingten Zellschädigung einzugreifen

Von größter Bedeutung bei Tinnitus ist momentan die Blockade der Glutamatrezeptoren durch sogenannte Glutamatrezeptorenblocker. In diesem Zusammenhang zu nennende Wirkstoffe sind Caroverin, Memantin und Neramexane. Diese haben allerdings auch einige Nebenwirkungen, darunter Verwirrtheit, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Gedächtnisstörungen.

 

Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf

Quellen:

Biesinger, E: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2007)

Hesse, G: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)

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