Stellenwert einer Formula bei Tinnitus

Gibt es eine Tinnitus-Formula?

Gibt es eine Tinnitus-Formula?

Formula ist der englische Begriff für „Rezeptur“. Für Patienten mit Tinnitus gibt es normalerweise keine einheitlich anwendbare, für jeden einzelnen Tinnitusbetroffenen geeignete Rezeptur beziehungsweise Formula. Vielmehr wird für jeden einzelnen Tinnituspatienten ein individuelles Behandlungskonzept erstellt. Dieses enthält die im Einzelfall am besten geeigneten Therapiemöglichkeiten, die ein Team aus mehreren Behandlern für den jeweiligen Patienten im Sinne einer Formula zusammenstellt.

Die Formula zur Tinnitusbehandlung für einen einzelnen Patienten lässt sich am ehesten als eine Art Therapieplan beschreiben. Darin sind alle als sinnvoll angesehenen Therapiemöglichkeiten aufgelistet und in Form eines Zeitplans aufeinander abgestimmt. Optimalerweise wird diese Formula dem Patienten in schriftlicher Form ausgehändigt, damit er sich orientieren kann.

 

 

Anwendung einer Formula bei Tinnitus

Die Formula für die individuelle Tinnitustherapie bei einem einzelnen Patienten wird häufig von einem Team aus mehreren Behandlern erstellt. Zu solch einem Tinnitus-Behandlungsteam gehören beispielsweise ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein Psychologe und ein Hörgeräteakustiker. Jeder Behandler kann die aus seiner Sicht sinnvollen Therapieelemente ergänzen, sodass diese schlussendlich ein schlüssiges Therapiekonzept in Form einer Formula ergeben.

Neben den Erfahrungen der verschiedenen Therapeuten des Tinnitus-Behandlungsteams können die Empfehlungen aus Leitlinien in die Erstellung der Formula einfließen. Hier ist in erster Linie die Tinnitus-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie zu nennen. Diese empfiehlt beispielsweise bei akutem Tinnitus eine Formula, welche durchblutungsverbessernde Maßnahmen in Kombination mit der Gabe von lokalen Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten vorsieht. Bei chronischem Tinnitus wird diese Formula unter anderem durch eine ärztliche Beratung (sogenanntes Counselling), verschiedene Entspannungsverfahren (beispielsweise autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation) sowie die Anpassung von Hörgeräten und/oder Maskern  beziehungsweise Noisern ergänzt.

 

Datum: Mai 2010; Autor: Dr. med. E. Wolf

Quellen:

Biesinger, E.: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2007)

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Leitlinie Tinnitus. www.phoniatrie-paedaudiologie.com/Informationen/HoersturzTinnitus/assets/AWMFonline-Leitlinie%20HNO-Tinnitus.pdf (Abruf am 09.12.2009)

Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)

Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Stuttgart (2009)

 

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